Seelsorge

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Zum Gespräch mit einem Seelsorger/einer Seelsorgerin:

Wenn ich jemanden aufsuche, der sich um meine Seele sorgt, werde ich erwarten, dass er mir geduldig zuhört, mir aber auch sagt, wo ich möglicherweise nicht alle Aspekte eines Problems beachtet, mich selbst über- oder unterschätzt oder gar verrannt habe.

Ein evangelischer Seelsorger ist kein Psychologe und hat keine tiefgehende psychologische Ausbildung. 

Er hat Theologie studiert, d.h. im Wesentlichen ein spezielles Literatur- und Geschichtsstudium absolviert.

Immer noch, nach fast 2000 Jahren beschäftigen wir uns darin mit der Bibel, diesem Buch aus 66 einzelnen Schriften. Heilig sind sie für uns, denn sie haben in ihrer Gesamtheit und als Einzelne
Menschen  aller Jahrhunderte immer wieder Kraft für ihren Alltag geschenkt.

Zuerst wird mir in der Bibel zugesichert und deutlich gemacht, dass ich als Mensch von Gott gewollt und gewünscht und kein Produkt des Zufalls oder gar eines Fehltritts bin. "Ich bin ein Ebenbild Gottes", wird uns schon auf der ersten Seite der Heiligen Schrift gesagt. "Er liebt mich so, dass er bereit ist, dafür alles zu geben", wird mir in den Schriften des Neuen Testaments deutlich gemacht. Wie kann ich mich dann wertlos fühlen oder als wertlos von anderen behandelt werden?

Wenn ich so kostbar und wertvoll bin, hat dies Folgen.

Wenn ich als Mensch wertvoll bin, dann ist es auch jeder andere.

Auch das hat Folgen.

Wir können nicht mehr in einer Weise miteinander umgehen, in der wir den unendlichen Wert des anderen nicht anerkennen.

Aufgrund dieses Grundverständnisses des Menschen können wir als Theologen Seelsorger sein.
Dazu kommt der Reichtum an Erfahrungen, die in einer mehr als eintausendjährigen Geschichte durch unzählige Menschen beim Schreiben und Überliefern der biblischen Schriften in dieses Buch, in die Heilige Schrift, eingeflossen sind.

Obwohl das rund zwei- bis dreitausend Jahre her ist, sprechen diese Schriften immer noch unsere Probleme an. Denn wir Menschen sind auch vor 3000 Jahren schon dieselben gewesen wie heute. Nur wurde in der Bibel damit offener, aufrichtiger und toleranter umgegangen, als wir es normalerweise tun.

Nicht zuletzt vertrauen wir als Seelsorger darauf, dass es eine über uns Menschen stehende Kraft, Weisheit und Liebe, nämlich Gott gibt. Mit unserem menschlichen Verstand können wir dies zwar erahnen, aber nicht begreifen. So vertrauen wir darauf, dass auch in unserem Leben Wendungen möglich sind, die wir nie für möglich gehalten hätten.

Dieses Grundvertrauen ins Leben, das wir Glauben nennen, kann denen, die mit uns das Gespräch suchen, durchaus Mut machen, selbst auch Vertrauen aufzubauen und zuzulassen.

So gibt es mehrere Lebenssituationen, in denen wir als Seelsorger heute besonders gefragt sind:


Zur Begleitung von Trauernden: